EIN GUTSHOF, EIN NAME UND EINE EINMALIGE GESCHICHTE

VERWALTERHAUS AUF DEM GUTSHOF MAISENHÄLDEN

Der Gutshof Maisenhälden, nahe der kleinen Fachwerkstatt Möckmühl im Jagstal in Baden-Württemnerg, ist nicht nur ein einfacher Gutshof. Eine, vermutlich seit der Antike dauerhaft besetzte Siedlungsstelle, welche in direkter Nähe zur römischen Grenze „Limes“ einen atemberaubenden Überblick über die weite Landschaft anbietet, ist wohl ein Ort, an dem sich schon seit vielen Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden, Menschen niedergelassen haben. Damit kommt diesem Platz eine bedeuten Rolle in der Kulturlandschaft des Unterlandes zu, die wir bei allen unseren zurückliegenden Arbeiten stets im Blick hatten.

An eben diesem Ort betreut unser Unternehmen seit über 10 Jahren die behutsame und sorgfältige Instandsetzung der Bauwerke des ‚Gutshof Maisenhälden‘, welcher ebenso wie das umgebende Land, heute im Besitz der Hans Freiherr von Ellricshausen‘schen Stiftung mit Sitz in Stuttgart ist. Die Erhaltung solcher Anlagen und Güter, ist etwas, das heute etwas aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Tatsächlich meistert die Hans Freiherr von Ellricshausen‘schen Stiftung diese Aufgabe hervorragend, in dem sie auf nachhaltige und sinnvolle Nutzung der Güterflächen zur Lebensmittelproduktion, zusammen mit Pächtern und Partnern achtgibt. Wie wichtig diese Aufgabe der Produktion von Lebensmitteln, als kleiner Baustein in einer gesellschaftlichen Aufgabenverteilung eigentlich ist, spürt man erst, wenn man sich näher damit beschäftigt, wie vielfältig, eindrucksvoll und gleichzeitig modern und technologisch das Themenfeld der regionalen Lebensmittelproduktion ist.


Was wir aus den Quellen wissen:

Aus den Quellen des Archivs in Assumstadt (OT von Züttlingen), die in einer 1987 von nicht leserlicher Hand verfassten Niederschrift vorliegen, geht hervor, dass Maisenhälden bereits im 13. Jahrhundert als Ort (Dorf) bekannt gewesen sein soll. Für die Jahrhunderte bis zum 30jährigen Krieg ist nicht viel über Maisenhälden in Erfahrung zu bringen, außer dass es in der „pfälzischen Zeit des Amtes Neuenstadt (1446-1504) zu jenem gehörte und im Jahr 1495 sechs Gulden „Willgeld“ an den pfälzischen Amtmann zu Neuenstadt zu zahlen hatte, die dieser selbst angeschlagen hatte. „Sonst ist der Weiler Meysenhälden dem Pfalzgrafen nicht bekannt, außer zehntbar“ (Quelle Jahrbücher für Württembergisch Franken, 7, S. 553, 560).

1520 erscheint Maisenhälden als Zubehör des württembergischen Amtes Möckmühl und 1538 werden „Schultheiß und Gemein“(de) genannt, der Ort wird als Dorf bezeichnet. (Möckmühler Stadtbuch). 1574 finden in M. Güterverkäufe an die Familie von Hardtheim statt und 1624 scheint der Ort ein würzburgisches Lehen geworden zu sein. (Öttinger,Landbuch S.129).

Danach berichten die Quellen von einer Totalzerstörung des Ortes während des Dreißigjährigen Krieges, wobei ein Datum dieses Geschehens und der Umfang des damaligen Bautenbestandes völlig im Dunkel bleiben.

1676 erscheinen die Herren von Ellrichshausen (ursprünglich aus der Nähe von Jagstheim/Crailsheim) als Eigentürmer des Ortes. Sie besitzen daneben auch den Ort Züttlingen, und die benachbarten Güter Assumstadt und Ernstein, die augenscheinlich als große Güter bis 1789 durch angestellte „Geiselmaier“ oder „Saatbauern“ bewirtschaftet wurden. Nach dem Tod des Reinhard von Ellrichshausen wurden die Güter bis 1813 bzw.1818 verpachtet. 

1818 übernahm Fritz (Friedrich) von Ellrichshausen (1792-1859) die Leitung des Gutsbetriebes in Maisenhälden und brachte mit viel Sachverstand einige Neuerung in den landwirtschaftlichen Betrieb ein. Er teile die Gutsfläche in sieben „Schläge“ ein und ließ diese mit Obstbaumpflanzungen abgrenzen, vermehrte den Anbau von Futtermitteln und vergrößerte die Viehwirtschaft. In die Wirkungszeit des Fritz von Ellrichshausen (ca.1818-1846) fallen die ältesten, oberirdischen Bauzeugen in Maisenhälden. Unter dem früheren Gutshaus (Maisenhälden 1) an der südwestlichen Ecke der heutigen Viereck-Anlage besitzt auch unser hier behandeltes Verwalterhaus im Unterbau noch ältere Baureste in Form von Kellerbauwerken aus dem 16.-18.Jahrhundert, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dann mit erneuerten, bzw. teils neu errichteten Wohn- und Wirtschaftsbauten zur heute noch ablesbaren Viereckanlage geformt worden sind.

Der 30 Meter lange “Verwalter”-Bau entstand in mehreren Etappen. Eine Bauinschrift nennt 1779, eine andere einen Umbau von 1869, als Entstehungsdaten des Objektes. Dabei bleibt zweifelsohne der kleine Gewölbekeller unter dem Haus zunächst die noch ältere Bauspur; Und der daran angefügte Keller mit flacher Decke zeigt an seiner Ostseite noch spärliche Reste und Merkmale eines Bauwerks des 16. Jahrhunderts.


Was daraus wurde:

Doch was passiert, wenn die alten Betriebsgebäude, die dereinst für die Unterbringung von Landarbeitern und Maschinen benötigt wurden, aus der Nutzung fallen? Auch für die Beantwortung dieser Frage zeigt der Gutshof Maisenhälden auf, wie man sinnvoll und behutsam, mit den heute schon regulär zur Verfügung stehenden Mitteln, nach und nach eine zielführende und dauerhafte Konversion meistert.

Nach einer Instandsetzung des „Gutshauses“, zwischen 2016 und 2018 und einer Umnutzung einer großen Scheune zu einem Pferdestall, war die Sanierung des sogenannten „Verwalterhauses“ eine wesentliche Herausforderung. Das Gebäude zeigte zahlreiche Material- und Tragwerksschäden, die in den vergangenen 100 Jahren immer nur notdürftig geflickt wurden. Diese, im Einklang mit den Anforderungen der Denkmalpflege instand zusetzen, ohne dem Haus seine Identität zu rauben, erforderte ein schrittweises herangehen und – abschnittsweise – schrittweises Vorgehen.

Das Ergebnis der umfangreichen Sanierung sind 6 komfortable und wunderschöne Loftwohnungen inmitten der Weite der Landschaft. „Wer hier, an diesem Ort, keine Ruhe findet, der tut es nirgends“ – ist ein Zitat, das im Laufe der Baustelle zu geflügelten Worten wurde.

Ergänzt und abgerundet wurde die Instandsetzung und Sanierung des Gebäudes durch eine, sich sorgfältig in die Umgebung einbettende Landschaftsplanung von ProjektGrünraum GmbH (Flein), welche subtil auf die Funktionen und Verbindungen aus dem Gebäude heraus in die Umgebung reagiert. In Zusammenarbeit mit den beteiligten Unternehmen, den Handwerkenden, den Fachplanenden und nicht zuletzt einer Bauherrschaft, die spürbar mit dem Fortschreiten der Sanierung gewachsen ist und sich immer mehr mit dem Haus verband, wurde hier ein Ergebnis erreicht, welches aufzeigt, dass Kulturdenkmale durchaus in der Lage sind, energetisch optimiert mit handelsüblichen Baustoffen und Materialien moderne Ergebnisse und moderne Wohnwelten zu interagieren – ohne Einzigartigkeit zu verlieren.

Das Gebäude verfügt heute über eine, in die Dachfläche eingetiefte Photovoltaikanlage mit rund 50 kWp. Die verputzten Außenwände des Obergeschosses sind mit einem reinmineralischen Wärmedämmsystem aus Luftkalkputz der Fa. Klimasan®, mit einer Stärke von bis zu 250mm, ohne Einbau weiterer Schalen, direkt auf das Holzfachwerk aufgebracht und ermöglicht eine optimale Nachtrocknung und Trocknungsausbreitung der Außenwand, bei einem gleichzeitigen rechnerischen Wärmedämmwert von 0,24 W/m 2*K. Das Gebäude wird heute mit einer Holz-Palletts-Heizung und einem konventionellen Heizungshetz nachhaltig beheizt. Besonderer Wert wurde bei der Sanierung daraufgelegt, mit Bauprodukten zu arbeiten, die auf dem Markt bereist vorhanden und etabliert sind und auf Sonderbauteile so weit es geht zu verzichten. Bis auf wenige einzelne Ausnahme gelang dies auch.


Beteiligte:

GEMARKUNG

Stadt Möckmühl

BAUALTER

1779-i- mit älteren Unterbauten

STATUS

Kulturdenkmal (§2 DSchG)

NUTZUNG

Mehrparteien-Wohnhaus

BAUHERR

Hans Freiherr von Ellrichshausen’sche Stiftung

LEISTUNGEN S.P

  • Bestandsvermessung
  • Bestandsdokumentation GKS II
  • Planung und Ausführungsüberwachung (LPH 01-08)
  • Projektsteuerung
  • Verlaufsdokumentation


MASSNAHMEN

  • Rückbau
  • Instandsetzung Tragwerk
  • Instandsetzung Fassaden
  • Wärmedämmung Dach (U:0,19 W/qm*k)
  • Erneuerung Gebäudetechnik
  • Innenausbau mit Dachausbau zu sechs Wohneinheiten


VOLUMEN

UMSETZUNGSZEITRAUM

2023 bis 2026