Das Forschungsprojekt „Zollerhof“ beschäftigt sich mit der multieffizienten Nachverdichtung der örtlicher Nachverdichtung zur Schaffung von nachhaltigem Wohnraum in Holzbauweise. Damit soll auch eine neue Formensprache für den, in Südwestdeutschland traditionellen und historisch tief verankerten Holzbau gefunden werden. Denn diese uralte Tradition hat in unserer Zeit noch keinen eigenen Ausdruck gefunden; keinen Typus gefunden
Wie vereinen wir die Anforderungen moderner Wohnästhetik und aktuellen Bedürfnisse nach effizienter Gebäudetechnik mit die Traditionen von Holz? Welcher Anspruch an den Flächenraub spielt dabei eine Rolle? Wie bekommen wir die Menschen wieder in die Dörfer, wo sie am sozialen Alltag und sozialen Leben teilnehmen können?
Mit diesen Fragen und anderen beschäftigt sich eben jenes Projekt, das aus einem kleinen Grundstück im Nachnutzung eines nicht mehr zu rettenden Kulturdenkmals, eines alten großen Einfirsthofes, ein neues Konzept der Nutzung entwickeln sollte, damit keine Baulücke in dem ansonsten schönen Dorf hinter bleibt.
Denn der Verlust eines alten Gebäudes ist nicht nur der Verlust kultureller Substanz. Er ist also oft auch eine städtebauliche Zäsur und hinterlässt hässliche Lücken, welche die Lesbarkeit von Siedlungen nach und nach immer mehr zerstören und nur eines für die Nachwelt dokumentieren: Den Verlust der Baukultur.

DER ZOLLERHOF – HISTORIE Der Zollerhof ist ein, urspünglich aus zwei Höfen bestehendes Hofanwesen in der Nähe von Schwäbisch Gmünd. Der kleinere der beiden Ursprungshöfe, der ‚Innere Zollerhof‘ wurde bereits in den 1970er Jahren abgebrochen und durch ein modernes Mehrfamilienhaus ersetzt. Der ‚äußere Zollerhof‘ ist noch vorhanden. Der typische Ost-Alb-Langhof mit Wohngebäude und angehängter Stallscheune stellt einen repräsentativen Vertreter der regionaltypischen Hauslandschaft dar. Das denkmalgeschützte Gebäude ist, trotz seines hohen bauhistorischen Wertes und seiner Bedeutung für die Ortstypologie, in Folge jahrzehntelangen Leerstandes sehr schwer beschädigt. Eine Instandsetzung ist nach ersten Berechnungen nicht mehr wirtschaftlich zu vertreten. Durch das Freiräumen des Grundstückes von der bestehenden Altbebauung ergeben sich neue Entwicklungschancen für das Grundstück und die Umgebung.

STÄDTEBAU Die vorhandenen Raumkanten und Züge von Baulichkeiten aus der Umgebung sollten aufgenommen werden, um eine homogene Lesbarkeit der Siedlungsstruktur innerhalb des Ortes, als geschlossene Raumkante herzustellen. Die langgestreckten Baukörper werden in einer Nord-Süd-Ausrichtung bestens durchlüftet und belichtet. Abendsonne ist in den Wohnzimmern gegen die ruhigere Bergseite zu erwarten. Die erforderlichen Stellflächen werden mit zirka 33 Stellplätzen übererfüllt. Besucherparkplätze sind bereits berücksichtigt. Das Maß der baulichen Nutzung ist in Bezug zum Altgrundstück mit ca. 0,2 GRZ verhältnismäßig gering; Die erzeugte Baulast dadurch durchaus mit §34 BauGB verinbar. Die späteren Einzelgrundstücke mit rund 131qm Fläche werden mit 0,57 GRZ überbaut, was für die Aufstellung eines Planungsrechtes sprechen würde. Der Zuwachs an Wohnraum bedeutet auch für die Kommune zusätzliche Vorteile.


WOHNRAUMKONZEPT Das Gebäude bricht auf einfallsreiche Weise mit den tradierten Bautypen der konventionellen Holzbauweise und bringt einen modernen, flexiblen und gestalterisch anspruchsvollen Wohngrundriss mit, der je nach Bedarf genutzt und angepasst werden kann. Im Erdgeschoss befinden sich ein Carport für 2 PKW, Fahhräder, Mülltonen und Abstellmöglichkeit, der nach Bedarf auch mittels einer Verglasung in einen kleinen Laden oder eine Bürofläche abgewandelt werden kann. Daneben ist der Hauseingang, über den auch der Garten und ein ebenerdiges Zimmer zu erreichen sind. Im Obergeschoss befinden sich Küche, Wohn- und Esszimmer, sowie ein zur Verfügung stehendes Zimmer als Esszimmer, Arbeitszimmer oder Hauswirtschaftsraum. Die bodentiefen Fenster erlauben, wie schon im Erdgeschoss, einen herrlichen Ausblick in den Garten und lassen viel Licht in die Wohnräume hineinfluten. Das Dachgeschoss beherbergt ein großzügiges Schlafzimmer mit einem schönen Badezimmer und zwei weiteren Zimmern. Das Dachtragwerk ist als konventioneller Holz-Sparrendachstuhl konzipiert und kann dadurch günstig hergestellt werden. Die Bedachung ist als Blechdach besonders leicht und bietet Platz für die Photovoltaiganlage, die die dezentrale Warmwaserbereitung nachhaltig und ressourchenschonend mit Strom versorgt. Die Ausrichtung des Gebäudes ermöglicht es, in allen zum Garten hingewandten Räumen die Abendsonne zu genießen.



